Warum Plastik?
Die Bekleidungsindustrie hat ein Kunststoffproblem. Um einen Wandel herbeizuführen, muss auf allen Ebenen gehandelt werden.
Kunststoffe sind unverzichtbar für die Herstellung langlebiger, leistungsstarker Produkte. Aber sie beschleunigen auch die Umweltkrise, angefangen bei den fossilen Brennstoffen, die für die Herstellung von Kunststoffen verwendet werden, bis hin zu der Abfallverschmutzung, die entsteht, wenn sie weggeworfen werden. Finde heraus, warum wir immer noch Kunststoffe verwenden, was wir tun, um unsere Auswirkungen zu reduzieren und warum wir auf individueller, unternehmerischer und staatlicher Ebene handeln müssen, um das Problem anzugehen.
Unsere Kleiderschränke sind voller fossiler Brennstoffe.
Kunststofffasern (auch bekannt als Synthetik) sind ein buchstäblicher Faden, der die Bekleidungsindustrie mit der Öl- und Gasindustrie verbindet. Die meisten Kunststofffasern entstehen aus Rohöl, das zu Chemikalien wie Ethin destilliert und dann erhitzt und zu allem Möglichen verarbeitet wird, von Einweg-Plastikflaschen bis zu Bekleidungsfasern wie Polyethylenterephthalat (PET) oder Polyester. Polyester ist eines der gefragtesten Materialien, das etwa die Hälfte der weltweiten Produktion von Fasern ausmacht. Das sind etwa 61 Millionen Tonnen Polyester, die jedes Jahr produziert werden, so ein Bericht von Textile Exchange aus dem Jahr 2021. Für die großen Öl- und Gaskonzerne ist das eine gute Nachricht. Da sich das Transportwesen von fossilen Brennstoffen wegbewegt, sagen Expert:innen, dass Kunststoff ein lukrativer Weg für die Industrie sein wird, die geringere Nachfrage auszugleichen.
Aber das Problem geht über die Verwendung von Erdöl als Rohstoffquelle hinaus. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe zur Herstellung dieser synthetischen Materialien trägt wesentlich zu den Treibhausgasemissionen bei. Diese Emissionen erwärmen den Planeten, versauern die Ozeane und setzen schädliche – manchmal sogar giftige – Luftschadstoffe frei.
Jedes Stück Kunststoff, das jemals hergestellt wurde, befindet sich noch auf dem Planeten.
Plastik verbleibt auf unbestimmte Zeit in unserer Umwelt (es sei denn, es wird verbrannt oder mit einem Satelliten oder Raumschiff ins All geschossen). Laut der US‑Umweltschutzbehörde EPA werden weniger als 10% der Kunststoffe in den USA tatsächlich recycelt. 16% werden verbrannt und der Rest stapelt sich auf Mülldeponien, wo sie Treibhausgase freisetzen, den Lebensraum von Wildtieren beeinträchtigen und die Luft- und Wasserqualität gefährden.
Was sind sekundäre Abfallströme?
Tonnen Fischernetze aus Kunststoff haben wir bis Herbst 2025 in Zusammenarbeit mit Bureo aus den Ozeanen ferngehalten und in NetPlus®-Material verwandelt.
Wir machen aus alten Kunststoffen neue Produkte.
Kunststoffe in technischer Bekleidung sorgen für Langlebigkeit und bieten wichtige – manchmal lebensrettende – Leistungsfaktoren wie Wetterschutz und Feuchtigkeitsableitung. Deshalb verwenden wir Kunststoffe in unseren Produkten.
Aber wir konzentrieren uns schon seit 1993 darauf, unsere Abhängigkeit von neuen Kunststoffen zu verringern. Damals haben wir angefangen, Fleece aus recycelten Plastikflaschen herzustellen – der erste Outdoor-Bekleidungshersteller, der Abfall in Bekleidung verwandelte. Jetzt beginnen wir damit, uns von diesen gut etablierten, aber immer noch gestörten Recycling-Abfallströmen zu lösen und systematischer zu denken.
Unterstützung und Skalierung sekundärer Abfallströme.
Wir investieren in eine neue und dringend benötigte Infrastruktur, die Produkte aus Kunststoffen erstellt, die sonst auf Mülldeponien landen oder in die Gewässer gelangen würden. Diese sekundären Abfallströme reichen von Textilabfällen über Plastikmüll aus dem Meer bis hin zu Flaschensammelprogrammen in Regionen, in denen es keine Abfallentsorgungssysteme gibt. Deshalb haben wir 2014 in Bureo investiert, ein Unternehmen mit Sitz in Kalifornien, das ausrangierte Fischernetze aus Kunststoff sammelt, die unsere Zulieferer dann in NetPlus®-Material verwandeln. Durch diese Partnerschaft haben wir dazu beigetragen, bis zum Herbst 2025 mehr als 2.000 Tonnen Plastikmüll aus dem Meer zu entfernen.
Die Umwandlung von Kunststoffabfällen in strapazierfähige, hochwertige Patagonia-Produkte ist ein äußerst wirksamer Weg, um unsere Umweltbelastung zu verringern. Unser Ziel war es aber schon immer, diese abfallbasierten Lieferketten so zu entwickeln und zu stärken, dass auch andere Marken sie nutzen können. Angesichts des enormen Ausmaßes des Kunststoffproblems ist eine branchenweite Zusammenarbeit unabdingbar. Das können wir nicht alleine schaffen.
Aber wer zu den Early Adoptern gehört, muss sich auf die harte, komplexe Arbeit des Aufbaus neuer Lieferketten einlassen, die bisher weder stabil sind noch über eine konstante Materialzufuhr verfügen. (Zum Vergleich: Es hat etwa 25 Jahre gedauert, bis Plastikflaschen zu einem weit verbreiteten sekundären Abfallstrom wurden.) Unsere Partnerschaft mit Bureo hat einige dieser Herausforderungen aufgezeigt und bestätigt, warum diese Arbeit so wichtig ist.
Im Frühjahr 2021 haben wir zum ersten Mal NetPlus®-Material in sieben Produkten verwendet und diese Anzahl in jeder Saison weiter erhöht. Eigentlich sind wir der Überzeugung, dass unsere Produkte der beste Beweis sind, aber in diesem Fall war es etwas komplizierter, den Beweis zu erbringen. Unser Produktteam arbeitet mehrere Saisons im Voraus, was bedeutet, dass wir keine Zeit hatten, mögliche Probleme in den neuen Lieferketten zu verstehen und auszubügeln. Gleichzeitig wirkte sich COVID-19 drastisch auf unsere globale Lieferkette aus und führte zu Engpässen bei Schiffscontainern, Fabrikschließungen, Verzögerungen bei Genehmigungen und anderen Herausforderungen. Letztendlich mussten wir wählerischer sein, welche Produkte wir mit NetPlus® herstellen.
Die Arbeit an diesem Prozess machte deutlich, wie wichtig ein langsamerer, methodischer Ansatz für neue Sekundärabfallströme ist. Es hat uns auch gezeigt, wie wichtig es ist, mit einem vertrauenswürdigen Partner wie Bureo zusammenzuarbeiten, der uns beim Aufbau dieser Lieferketten helfen kann. Nur so können andere Unternehmen und Branchen uns dabei unterstützen, das Kunststoffproblem im größeren Rahmen anzugehen.
Außerdem setzen wir verstärkt auf andere sekundäre Abfallmaterialien, darunter recyceltes Nylon aus Stoffresten, alten Teppichen und anderen Synthetikmaterialien sowie recyceltes Polyester aus Kantinentabletts und anderen pigmentierten Kunststoffen, die schwieriger zu recyceln sind als transparente Kunststoffe. Und wir arbeiten an neuen Partnerschaften, um zu verhindern, dass Plastikmüll in den Weltmeeren landet, und fördern rückverfolgbare und sozial gerechte Lieferketten.
Wir sind der Überzeugung, dass jede Branche die Verantwortung für ihren eigenen Abfall übernehmen sollte. Wir recyceln nicht nur Plastik, sondern finden auch neue Wege, um Materialien aus unserer Bekleidung und unserem Gear wieder in neuwertige Fasern zu verwandeln, die immer wieder verwendet werden können. Anders ausgedrückt: Wir machen aus alter Bekleidung neue Bekleidung.
Die Zukunft der Kunststoffe bei Patagonia.
Unser Ziel ist es, nur für die strapazierfähigsten und langlebigsten Produkte aus Synthetik zu verwenden, damit sie möglichst lange halten – egal, ob sie in deinem Kleiderschrank liegen oder an deine Lieben weitergegeben werden. Dieses Konzept der Kreislaufwirtschaft hat uns dazu veranlasst, Worn Wear ins Leben zu rufen. Diese „Re-Commerce“-Plattform wurde für die Reparatur, die Wiederverwendung und den Handel mit alten Bekleidungsstücken (sowohl aus Synthetik- als auch aus Naturfasern) geschaffen, damit wir weniger auf neue Ressourcen angewiesen sind und mehr von dem verwenden, was bereits hergestellt wurde. Bis 2025 wollen wir mindestens die Hälfte unserer synthetischen Materialien aus sekundären Abfallströmen herstellen.
Abfall in neue Bekleidung verwandeln
Der prozentuale Anteil der synthetischen Stoffe (nach Gewicht) in unserer Herbstkollektion 2025, die recycelte Materialien enthalten.
Verringerung unserer Abhängigkeit.
Wir wissen, dass Recycling kein Allheilmittel ist. Auch Recycling erfordert Energie und erzeugt seinen eigenen CO₂-Fußabdruck. Und dann gibt es noch einige Kunststoffe, für die es noch keine geeigneten Recyclinglösungen gibt. Um das globale Plastikproblem wirklich in den Griff zu bekommen, braucht es daher mehr als nur Recycling.
Wir müssen überdenken, wie viel Kunststoff wir verwenden, und neue Wege finden, um uns von der Öl- und Gaslieferkette zu lösen. Unser Ziel ist es, ab Ende 2025 kein neues Erdöl mehr für unsere Produkte zu verwenden und stattdessen auf bevorzugte Materialien wie Bio-Baumwolle und Regenerative Organic Certified™-Baumwolle sowie recyceltes Polyester und recyceltes Nylon zu setzen.
Unser Weg weg von Erdöl und Erdgas
Die durchschnittliche Reduzierung der CO₂e-Emissionen (CO₂-Äquivalente), die durch die Verwendung von halbmechanisch recyceltem Polyester im Vergleich zu Neupolyester erzielt wird. Basierend auf dem Higg Materials Sustainability Index, Version 3.7.
Wie wir alle einen sinnvollen Wandel schaffen können.
Wir haben große Anstrengungen unternommen, um unsere Abhängigkeit von neu hergestellten Kunststoffen zu verringern, und wir unternehmen neue Schritte, um die Kunststoffe, die wir in unseren Produkten verwenden, zu reduzieren, aber wir können es nicht alleine schaffen. Um die Praktiken in der Branche zu ändern, muss auf individueller, unternehmerischer und staatlicher Ebene gehandelt werden. Hier sind einige Möglichkeiten, wie du deinen Beitrag leisten kannst:
Was du tun kannst
Einfach gesagt: Buy Less, Demand More®. Verweigere dich dem Konzept der Fast Fashion, kaufe nur ein, wenn du etwas wirklich brauchst, und entscheide dich für langlebige Bekleidung, die repariert und über Generationen hinweg genutzt werden kann. Dann trage deine Bekleidung, pflege sie und gib sie an andere weiter, wenn du sie nicht mehr benötigst.
Aber der Aktivismus endet nicht in deinem Kleiderschrank. Erkundige dich bei deinen Lieblingsmarken, wie sie über ihren Plastikverbrauch denken und was sie tun, um ihn zu verringern. Priorisiert die Marke sekundäre Abfallströme als Ersatz für neue Kunststoffe? Ist die Marke transparent in Bezug auf ihre Lieferkette und ihren ökologischen Fußabdruck?
Nutze bei Wahlen die Macht deiner Stimme. Wähle Politiker:innen, die sich verpflichten, die Klimakrise durch gezielte Maßnahmen wie die Kürzung von Subventionen für fossile Brennstoffe und Investitionen in grüne Energie zu bekämpfen.
Was Unternehmen tun können
Die Umstellung einer ganzen Branche erfordert Zusammenarbeit. Wir teilen die Namen vieler unserer Partner in der Lieferkette, damit andere Unternehmen in diese sekundären Abfallströme investieren und die Bemühungen verstärken können. Weitere konkrete Schritte sind der Verzicht auf erdölbasierte Materialien in unseren Produkten, die Zusammenarbeit mit Finanzpartner, die sich für eine globale Energiewende einsetzen, und die Unterstützung von Graswurzelgruppen, deren Gemeinschaften am meisten von der Plastikverschmutzung und von der Klimakrise betroffen sind.
Was Regierungen tun können
Eine breitere und sinnvollere Gesetzgebung und Regulierung ist entscheidend, um die Art und Weise, wie unsere Bekleidung hergestellt, transportiert und nach dem Tragen behandelt wird, zu verändern. Maßnahmen wie Zollsenkungen für recycelte und ökologische Materialien, die Dokumentation und Offenlegung der Lieferketten (wo und von wem die Bekleidung hergestellt wird) und Anreize für Unternehmen, die ökologische oder recycelte Materialien verwenden, schaffen mehr als nur Transparenz. Diese Gesetze und Vorschriften würden die Unternehmen für ihre Auswirkungen zur Rechenschaft ziehen und die dringend notwendigen Veränderungen in der Branche vorantreiben.