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Members of the Fair Trade Committee at Pratibha Syntex Ltd., Pithampur, Madhya Pradesh, India. THEODORE KAYE

Was ist der Unterschied zwischen Mindestlohn und Existenzlohn?

Patagonia überwacht die Löhne aller Partnerfirmen genau, um sicher zu sein, dass die an der Fertigung unserer Kleidung beteiligten Arbeiter wenigstens den Mindestlohn in ihrem Land erhalten. Doch meist wissen wir nicht, ob diese Löhne für einen angemessenen Lebensstandard ausreichen.

Der Existenzlohn ist - vereinfacht ausgedrückt - ein angemessener Lohn, der alle Grundbedürfnisse abdeckt: Nahrung, Wasser, Unterkunft, Gesundheitsfürsorge, Erziehung, Kleidung, Transport und Kinderbetreuung.

Doch es gibt keine allgemein gültige Berechnung dafür. Manche Organisationen berechnen ihn auf Basis einer vierköpfigen Familie, in der nur einer arbeitet, während andere von einer fünfköpfigen Familie ausgehen, in der zwei arbeiten.

Seit Jahren bemühen sich Politiker, Unternehmen und gesellschaftliche Gruppen darum, auf ungerechte Löhne hinzuweisen, Arbeitsbedingungen- und -zeiten zu reglementieren, die Mindestlöhne anzuheben, die Arbeiter zu stärken und praktikable Lösungen zur weltweiten Bekämpfung der Armut zu finden.

Artikel 23 der UN Menschenrechtserklärung besagt, „Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert. . . ."

Doch in der Textilbranche ist nicht einmal das absolute Minimum garantiert. Vor allem wegen billiger Arbeitskräfte vergibt die Textilindustrie ihre Aufträge oft in Entwicklungsländer, in denen rechtlose Arbeiter ausgebeutet werden können. In den letzten Jahren haben wir erlebt, wie Arbeiter in den Entwicklungsländern dazu getrieben wurden, immer noch schneller zu arbeiten und die Produktion zu steigern -(manchmal mit tragischen Folgen), um die unersättlichen Kunden (meist aus Industrieländern) zu befriedigen. Das führt zu einer Ausnutzung der schutzlosesten Arbeiter in der Lieferkette, denen zu Hungerlöhnen eine unerträgliche Last aufgebürdet wird. Bei einem solch unmenschlich niedrigen Level ist es ein vorrangiges Ziel, Existenzlöhne für Textilarbeiter durchzusetzen.

Da es für die meisten Länder, in denen Patagonia produziert, keine zuverlässigen und laufend angepassten Existenzlöhne gibt, wissen wir noch immer nicht genau, welche Löhne wir dazu anstreben müssen. Wir wissen jedoch, dass die Mehrheit der Arbeiter in unserer Lieferkette derzeit keinen Existenzlohn erhält.

Unsere derzeit besten Mittel
Wir bemühen uns darum, die Lebensbedingungen der Menschen, die Patagonia-Produkte herstellen, zu verbessern. Um zuverlässige Richtlinien für Existenzlöhne zu finden, haben wir eine Kooperation mit Fair Trade USA begonnen und arbeiten im Rahmen unserer Fair Labor Association (FLA) Mitgliedschaft an einem umfangreichen und komplexen Programm für angemessene Entlohnung.

Seit 2014 unterstützt uns die gemeinnützige US Organisation Fair Trade dabei, durch direkte Zusammenarbeit mit den Nähereien die Löhne unserer Arbeiter zu erhöhen. Fair Trade USA hat eine besondere Strategie zur Stärkung der Arbeiter entwickelt, indem sie Firmen wie Patagonia für jeden produzierten Artikel einen Zuschlag berechnet. Dieser Zuschlag geht auf ein von der Belegschaft verwaltetes Konto, von dem entweder für alle Mitarbeiter Zulagen in bar ausgezahlt oder Projekte finanziert werden, die allen Arbeitern zugutekommen.

2015 hat Patagonia zusammen mit sechs verschiedenen Betrieben insgesamt 191 Fair Trade Certified Modelle fertigen lassen. Das ist eine erhebliche Steigerung von nur 10 Fair Trade Modellen im Jahr zuvor. Und wir sind stolz auf diesen Fortschritt.

Die Einführung der Fair Trade Strategie in unseren Betrieben hat auch überraschende Vorteile gebracht. 2014 haben die Arbeiter einer unserer indischen Firmen dadurch nicht nur ein besseres Einkommen erzielt, sondern zudem einen besseren Draht zu ihrer Firmenleitung bekommen. Als die Betriebsleitung erfuhr, dass die Mitarbeiter ihre Fair Trade Prämien für die Einrichtung einer sauberen und sicheren Betriebsküche nutzen wollen, beschloss sie, die neue Küche selbst zu finanzieren. Dank des durch Fair Trade angeregten Dialogs entwickelte die Betriebsleitung ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Angestellten: Die Arbeiter bekamen eine sichere Küche und konnten einen Teil ihres Fair Trade Geldes dafür nutzen, Regenmäntel für die Monsunzeit zu kaufen.

Parallel zum Fair Trade Modell suchen wir auch durch unsere Mitgliedschaft in der Fair Labor Association nach Lösungen für das Problem der Existenzlöhne. Die FLA sammelt derzeit weltweit Lohndaten, um Tabellen zu veröffentlichen, die Armutsgrenzen sowie Richtlinien für Mindest- und Existenzlöhne markieren. Anhand dieser Tabellen werden wir die Differenz zwischen unseren Löhnen und den Existenzlöhnen ermitteln. Bis Dezember 2017 werden wir unsere Lohnrichtlinien mit der FLA festgelegt haben und beginnen, Lohnerhöhungen in unserer Fertigwaren-Lieferkette umzusetzen.

Unser Fazit
Wir bedauern es, dass wir derzeit nicht dazu in der Lage sind, Existenzlöhne für unsere Fertigungsbetriebe zu beziffern. Und selbst wenn wir es könnten, wäre dies nur ein Minimum, das den Arbeitern und ihren Familien das reine Überleben ermöglichen würde, aber kein gutes Leben.

Wir hoffen, dass das FLA Programm und Lohnrichtlinien dieses Problem lösen werden, das die Branche bislang lähmt. Die Lohnrichtlinien können außerdem als Ziel für Mitgliedsfirmen dienen und sie dazu anspornen, ihre Fortschritte zu veröffentlichen.

Wir fragen uns täglich, was der Kunde bereit ist, für seine Kleider zu bezahlen. Unsere Ladenpreise müssen marktgerecht sein, damit wir konkurrenzfähig bleiben. Deshalb können wir nicht in allen Betrieben, die für uns produzieren, generell die Löhne erhöhen. Andererseits wollen wir faire und gute Geschäftspartner sein und müssen daher die Löhne gründlich überprüfen. Fair Trade ist nur ein erster Schritt. Wir sind der Überzeugung, dass wir als Firma Veränderungen bewirken können und aufzeigen, was möglich ist, um Lohngerechtigkeit in der ganzen Wertkette zu erreichen. Wir haben keine Patentlösung. Es wird ein langer und harter Weg mit vielen Unbekannten sein, aber wir freuen uns darauf, den nächsten großen Schritt nach vorn zu tun.